
MOSKAU, 01. April (RIA Novosti). Die Organe, die Ende der 1990er Jahre serbischen Kosovo-Einwohnern illegal entnommen worden waren, wurden angeblich in die Türkei verkauft.
Davon zeugen Unterlagen, die die serbische Staatsanwaltschaft, die zu Fällen der illegalen Entnahme von Menschenorgane ermittelt, von der UN-Mission im Kosovo erhalten hat, berichtet die Belgrader Zeitung „Politika“ am Mittwoch.
Es wird vermutet, dass der gewaltsamen Organentnahme rund 300 nicht-albanische Einwohner des Kosovo zum Opfer gefallen waren. Die Operationen wurden in geheimen Kliniken in Albanien durchgeführt. Die Angelegenheit kam nach der Veröffentlichung der Erinnerungen von Carla del Ponte, ehemalige Chefanklägerin des Kriegsverbrechertribunals für Ex-Jugoslawien, ans Licht.
Die UN-Mission im Kosovo (UNMIK) hatte bereits 2004 zu diesen Verbrechen ermittelt. Der entsprechende Geheimbericht wurde erst vor einigen Tagen den serbischen Justizbehörden zur Verfügung gestellt. Nach Angaben der „Politika“ enthält das Dokument die Namen von sechs Verdächtigen und mehreren Opfern.
Davor konnte die serbische Staatsanwaltschaft selber acht Verdächtige und rund zehn Opfer der barbarischen Operationen feststellen, die Serbien bislang im Alleingang klären muss. Die EU-Mission im Kosovo (EULEX) hält sich aus den Ermittlungen heraus. Der Europarat ernannte zwar einen Sonderbeauftragten für diese Angelegenheit, doch die Ergebnisse seiner Tätigkeit sind bisher unbekannt.
Es wird gemutmaßt, dass mit den Einnahmen aus dem Verkauft menschlicher Organe die albanische UCK-Rebellenarmee finanziert worden war. Der serbischen Staatsanwaltschaft sind Beerdigungsorte von Opfern im Kosovo bekannt, doch die albanische Führung der Region hat jede Zusammenarbeit abgelehnt.