Panorama
Forscher: Menschheit hat keine Immunität gegen mexikanische Schweinegrippe - MEHR
Das sagte Oleg Kisseljow, Leiter des Sankt Petersburger Grippezentrums der Weltgesundheitsorganisation (WHO) und Direktor des russischen Instituts für Erforschung der Grippe, am Sonntag.
Nach seinen Worten ist das Virus H1N1 zwar sowohl in der menschlichen als auch in der Schweinepopulation im Umlauf. Doch Mexiko sei offenbar von einer Hybride heimgesucht worden. Zwischen diesen Viren sei es zu einer Wechselwirkung auf genetischer Ebene gekommen. Als Folge seien „neue Antigen-Eigenschaften und ein neues Virus entstanden, gegen das wir keine Immunität haben“, sagte der Wissenschaftler.
Ihm zufolge ist das neue Virus von Mensch zu Mensch übertragbar und deshalb gefährlicher als die Vogelgrippe, die weltweit bereits mehr als 400 Menschen das Leben kostete.
Zudem sieht Kisseljow Parallelen zwischen den jetzigen Ereignissen in Mexiko und der Ausbreitung der spanischen Grippe, die im Jahre 1918 zu einer weltweiten Pandemie mit Dutzenden Millionen Todesopfern führte. „Die jetzige Situation erinnert sehr daran, wie die amerikanischen Wissenschafter das Virus beschrieben hatten, das die spanische Grippe ausgelöst hatte.“
Damals war das A/H1N1-Virus von Vögeln zunächst auf Schweine und dann auf den Menschen übertragen worden. Dem Forscher zufolge waren in Mexiko bereits öfters Grippe-Ausbrüche beim Geflügel registriert worden. Auch heute führe der nordamerikanische Zugweg der Vögel über Alaska, die USA und Mexiko.
Obwohl die Voraussetzungen, die 1918 zur Pandemie der spanischen Grippe geführt haben, auch heute bestünden, „gibt es eine Reihe von Faktoren, die zu Optimismus berechtigen“, sagte Kisseljow.
Erstens ergreife Mexiko wirksame Vorsorgemaßnahmen: die Infizierten werden isoliert, die Menschen tragen Grippeschutzmasken. Zweitens habe der Erste Weltkrieg Anfang des vergangenen Jahrhunderts die Ausbreitung der spanischen Grippe beschleunigt. „Heute gibt es keine globalen Ereignisse, die zu massiven Umsiedlungsprozessen führen.“
In Mexiko sind offiziellen Angaben zufolge bereits 20 Menschen an der Schweinegrippe gestorben. Außerdem gibt es Dutzende Todesfälle mit ähnlichen Symptomen. Seit dem 13. April sind in Mexiko insgesamt 1 324 Infizierte registriert worden. Zudem sind Todesfälle aus den US-Bundesstaaten Kalifornien, Texas und Kansas gemeldet worden. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) warnte bereits vor einer weltweiten Pandemie. In Russland wurde eine Regierungskommission gebildet, die eine Einschleppung des Virus ins Land verhindern soll

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