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Medwedew sagt Saufen den Kampf an - Russlands Presse

Thema: Moskau sagt Trunksucht erneut Krieg an

14:07 13/08/2009

MOSKAU, 13. August (RIA Novosti). Russlands Präsident Dmitri Medwedew hat der Trunksucht den Krieg erklärt. Er will vor allem die Jugend retten, die "mit und ohne Grund" säuft. Dieses Thema behandeln am Donnerstag die Zeitungen "Nesawissimaja Gaseta", "Gaseta" und "Wedomosti".

Unter anderem schlug Medwedew vor, die Verbrauchersteuer für starke Spirituosen und Bier gleichzusetzen, die Alkohol-Werbung einzuschränken und die Strafen für den illegalen Alkohol-Handel zu verschärfen.

In der nachrevolutionären Geschichte Russlands wurde das Thema Trunksucht mindestens zweimal politisch aktuell. Zunächst hat Wladimir Lenin 1922 ein Alkohol-Moratorium eingeführt. "Das hat der Wirtschaft des Landes immens geschadet, deshalb wurde das Totalverbot bald abgeschafft, dafür aber ein staatliches Alkohol-Monopol beschlossen", stellt Agwan Mikaeljan, Generaldirektor der Consulting-Gesellschaft Finexpertisa, fest.

In den 80er Jahren hat der Generalsekretär der KPdSU, Michail Gorbatschow, den zweiten Versuch unternommen. "Die Prohibition und der Öl-Preissturz zerstörten die Sowjet-Wirtschaft", so Mikaeljan.

"Die Zahl der Trinkenden wird infolge einer Preissteigerung und einer Verringerung der Zugänglichkeit von Alkohol nicht sinken", so der Experte. "Man sollte nicht gegen dieses Übel ankämpfen, sondern für das Gute werben, zum Beispiel die gesunde Lebensweise propagieren."

Der Politologe Dmitri Oreschkin pflichtet dem Kollegen bei: "Preise anzuheben ist nicht schwer. Man muss aber begreifen, dass die Trunksucht eine Gewohnheit ist und zur sozialen Realität gehört. So etwas lässt sich nicht verbieten. Stattdessen muss man die Menschen umorientieren, die nüchterne Lebensweise modisch machen und die Trinkkultur schrittweise verändern. Das erfordert Zeit, Geduld und ein von Korruption freies Interesse."

Die Wirtschaftslage im Lande sei heute der in den 80er Jahren des vergangenen Jahrhunderts ähnlich. "Medwedew steckt in einer schwierigen Situation", so Oreschkin. "Hoffentlich werden die Profis in seinem Umkreis die ausfallenden Einnahmen durchkalkulieren, bevor die etwaigen radikalen Schritte überhaupt unternommen werden."

"Unser Volk trinkt aus Wehmut und Aussichtslosigkeit", so der Schriftsteller Andrej Bitow. "Dies war nicht nur unter der Sowjetmacht der Fall, sondern schon immer. Die Versuche, das Alkoholverbot unter Gorbatschow einzuführen, waren lediglich ein gewisser diplomatischer Schachzug, um das Volk vom Umsturz namens Perestroika abzulenken. Es war von Anfang an klar, dass diese Versuche zu nichts führen werden."

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