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Panorama

Heimatland lebensgefährlich für russische Kinder - Presse

12:57 04/03/2010

MOSKAU, 04. März (RIA Novosti). In den USA ist wieder ein Adoptivkind aus Russland umgekommen. Dieses Thema behandeln russische Zeitungen am Donnerstag.

Ein Ehepaar aus Pennsylvania wird des Mordes am siebenjährigen Wanja Skorobogatow, der 2003 zusammen mit seiner Zwillingsschwester adopiert wurde, bezichtigt. Am ausgemergelten Körper des toten Jungen haben gerichtsmedizinische Sachverständige über 80 Prellungen gezählt.

Der tragische Tod des Kindes von der Hand der amerikanischen Adoptiveltern empört natürlich jeden normalen Menschen. Russlands Außenministerium, der Bevollmächtigte für Kinderrechte Pawel Astachow, die Abgeordneten der Staatsduma (Unterhaus des Parlaments) und die Gesellschaftskammer werden den Gerichtsprozess gegen das Ehepaar Craver, das des Mordes bezichtigt wird, und das Schicksal der Schwester des toten Jungen verfolgen.

Binnen der zwanzig postsowjetischen Jahre haben Ausländer über 60 000 russische Kinder adoptiert. Der Tod beinahe jedes  von den 15 in den USA ums Leben gebrachten russischen Kindern (laut Astachows Angaben von den 17) gab in Russland Anlass zu Diskussionen und großsprecherischen politischen Erklärungen.

Dem Außenministerium ist ohne jede Ironie für eine solche Aufmerksamkeit und Sorge um unsere Kinder im Ausland zu danken. Doch neben dem Außenministerium haben wir noch viele andere Einrichtungen, deren Pflicht es ist, für die Kinder hierzulande, in der Heimat, zu sorgen.

Neben Nachrichten aus den USA lagen auch andere vor. Zum Beispiel: In der vergangenen Woche sind in einem Kinderheim der Stadt Lesnoj (Swerdlowsker Gebiet mit Zentrum in Jekaterinburg) bei einem Ausbruch einer akuten Darminfektion drei Kinder gestorben (erkrankt waren insgesamt 33 Kinder). In den Kinderheimen können russische Kinder außerdem verbrennen oder erfrieren, und nach Verlassen der Einrichtung stoßen sie mit großer Wahrscheinlichkeit zur Unterwelt.

Gemäß offiziellen Angaben zählt Russland heute 800 000 Waisen. Das ist mehr als in der ganzen UdSSR sofort nach dem Zweiten Weltkrieg.

Auch Kindern, die ein Zuhause haben, fällt das Leben nicht gerade leicht: Täglich werden eigene und Adoptivkinder von unseren Landsleuten getötet, verunstaltet und vergewaltigt. Nach Angaben des vorherigen Kinder-Ombundsmanns Alexej Golowan kamen allein 2008 über 1900 kleine Russen an überwiegend in der Familie praktizierter Gewalt um, weitere über 26 000 erhielten schwere Körperschädigungen. Mehr als 27 500 Kinder gelten als verschollen. Das ist nur die Spitze des Eisbergs der Gewalttätigkeit in der Familie, und vor dieser Gewalt fliehen alljährlich tausende Kinder beiderlei Geschlechts. Die meisten von ihnen landen in den Kinderheimen und Internaten.

Wie Alexander Bastrykin, Vorsitzender des Untersuchungskomitees bei der russischen Staatsanwaltschaft, angibt, wurden im Jahre 2002 an die 40 000 Verbrechen gegen Minderjährige fixiert, 2006 waren es 80 000 und 2009 bereits 105 000. Bei solchen Zahlen kommt es schließlich nicht darauf an, ob die Zahl der Verbrechen zunimmt oder die Polizei sie neuerdings genauer registriert.

Diese Vorkommnisse lösen keine so mächtige Reaktion aus wie die amerikanischen. Möglicherweise haben sich die russischen Politiker an die Lage im Lande einfach gewöhnt und bemerken sie nicht mehr. In der Tat: Berichtet man über eines von den 105 000 Verbrechen, hört keiner hin. Zudem kommt man bei der Entlarvung der amerikanischen Verbrecher in den Ruf eines Patrioten, bei der Entlarvung der eigenen dagegen am wahrscheinlichsten nicht.

Quellen: "Wedomosti" und "Nesawissimaja Gaseta" vom 04.03.10.

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