Ausland
Afghanistan-Einsatz ohne Ausweg: Lawrow rät Nato, Russland zu beteiligen - „Istwestija”
Es wäre zwar zu früh, von einem Fiasko der multinationalen Operation in diesem Lande zu sprechen, doch die Situation hat sich dort in letzter Zeit beträchtlich verschlechtert, stellt Russlands Außenminister Sergej Lawrow in einem am Donnerstag in der „Iswestija“ veröffentlichten Interview fest.
Die Regierung hat einen großen Teil des Territoriums nicht mehr unter Kontrolle, führte der Minister weiter aus. Die Terroraktivitäten der Taliban und von Al-Qaida werden immer intensiver. Die Zahl der zivilen Opfer und der Verluste bei den ausländischen Soldaten steigt kontinuierlich.
Wie der Nato-Gipfel in Riga gezeigt hat, ist es für die Verbündeten äußerst schwierig, eine Einigung bei der quantitativen Verstärkung der militärischen Präsenz in Afghanistan und der Beteiligung an Kampfoperationen zu erzielen. Die Nato scheint bereits am Ende ihrer Kräfte zu sein. Es wird wohl nicht gelingen, die Situation allein durch Druck auf die neuen Mitgliedsländer oder durch „neue“ Methoden in der Arbeit mit der Taliban zu verbessern, wie das beispielsweise die Engländer versuchen.
Lawrow äußerte seine Hoffnung, dass die jetzige schlechte Entwicklung die Nato-Führung nötigen wird, Beziehungen einer gleichberechtigten Zusammenarbeit mit Russland, den Ländern Zentralasiens und multilateralen regionalen Strukturen wie etwa der Organisation des Vertrages über die kollektive Sicherheit herzustellen. Parallel soll der Prozess zur Schaffung von Bedingungen für eine Änderung der politischen Regelung in Afghanistan beginnen.
Bei einer solchen Entwicklung könnten Voraussetzungen für eine tatsächliche Verbesserung der Situation geschaffen werden, so der Außenminister. Unser Zusammenwirken mit der Nato bei der Stabilisierung in Afghanistan könnte weitreichende Folgen für die Beziehungen zwischen Russland und der Nato und für eine Neuausrichtung der Allianz insgesamt haben.
Sollten aber die Nato-Chefs diese Offenkundigkeiten ignorieren und die Operation in Afghanistan nicht von einem Erfolg gekrönt werden, wird die Existenz der Allianz selbst in Frage gestellt, weil sie die Prüfung der Zeit nicht bestanden hat, betonte der Minister. In dem Fall müsste man die Beziehungen mit der Nato anders gestalten. Dann würde man auch nach Alternativvarianten für das Ende der sich ständig verschlechternden Situation in Afghanistan suchen müssen, so Lawrow.

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