RIA Novosti

Raketenabwehr: Tschechien und USA bereiten Abkommen über Radarstationierung vor

10:48 22/05/2007

Im tschechischen Außenministerium beginnt am Dienstag die zweite Runde der Verhandlungen über die Aufstellung eines Radars der US- Raketenabwehr.

WARSCHAU, 22. Mai (RIA Novosti). Im tschechischen Außenministerium beginnt am Dienstag die zweite Runde der Verhandlungen über die Aufstellung eines Radars der US- Raketenabwehr.

Das berichtet die tschechische Nachrichtenagentur CTK. Ihr zufolge werden die Seiten über ein Abkommen beraten, das die Aufstellung des US-Radars in Tschechien regelt. Die Unterzeichnung des Abkommens kann jedoch erst nach Zustimmung des tschechischen Präsidenten Vaclav Klaus erfolgen.

In der ersten Verhandlungsrunde am 10. Mai hatten tschechische und amerikanische Experten die Aufenthaltsbedingungen der US-Einheiten in Tschechien erörtert. Die erste Verhandlungsrunde fand im tschechischen Verteidigungsministerium statt.

Die gesamten Verhandlungen dürften mehrere Monate in Anspruch nehmen, so die CTK. Die USA erwarten von Tschechien bis spätestens Jahresende eine endgültige Entscheidung über die Stationierung des Radars.

Weitere Verhandlungen sollen in den USA stattfinden, teilte die tschechische Außenamtssprecherin Zuzana Opletalova mit. Außerdem kommt US-Präsident George W. Bush Anfang Juni persönlich nach Prag, um über die Radarstationierung zu beraten.

Das Radar soll in der tschechischen Region Brdy installiert werden. Am Montag schlossen 38 US-Experten die Inspektionen des geplanten Aufstellungsortes ab.

Das Radar soll von den Marshall-Inseln nach Tschechien verlegt werden. Die gesamten Stationierungskosten sollen bei 550 Millionen Dollar liegen, berichtet die CTK mit Hinweis auf die U.S. Missile Defense Agency.

In Tschechien sollen rund 200 Personen für das US-Radar verantwortlich sein, 120 davon sind US-Armeeangehörige. Die US-Regierung hatte im vergangenen Januar Tschechien offiziell vorgeschlagen, vor Ort ein Radar zu stationieren.

Die Opposition im tschechischen Parlament fordert ein Referendum über die Aufstellung des Radars. Laut Umfragen des Meinungsforschungsinstituts Ipsos-Tambor sind die meisten Tschechen (55,8 Prozent) gegen die Aufstellung von Basen der US-Raketenabwehr. Ihre ablehnende Haltung begründeten 52,1 Prozent der Befragten damit, dass Tschechien zum Ziel eines Raketenschlags werden kann. Nur 28,2 Prozent der Befragten stimmen der Installierung des Radars zu. Trotzdem weigert sich die Regierung in Prag, ein Referendum abzuhalten.

Mit dem Raketenabwehr-System in Osteuropa wollen sich die USA gegen einen eventuellen Raketenüberfall der so genannten "Achse des Bösen" schützen. Hierzu zählt Washington vor allem Nordkorea und Iran. Die USA wollen daher Radaranlagen in Tschechien und zehn Abfangraketen in Polen stationieren.

In Russland erregen die US-Pläne Besorgnis. Moskau sieht dadurch das strategische Gleichgewicht gefährdet und kündigt angemessene Gegenmaßnahmen an.

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