
ANKARA, 11. Oktober (RIA Novosti). Der türkische Generalstab hat vier Szenarien für grenzüberschreitende Militäroperationen gegen die kurdischen Rebellen im Nordirak vorbereitet.
Die Regierung will am Donnerstag vom Parlament grünes Licht für einen Schlag in den Grenzgebieten zum Irak einholen, schreibt die türkische Zeitung „Hürriyet“ unter Berufung auf Quellen.
Die erste Variante sieht eine Operation der Armee fünf bis zehn Kilometer hinter der irakischen Grenze und die vollständige Kontrolle über das Grenzgebiet vor. Ihre Realisierung sei jedoch schwierig, weil die internationale Verträge und die Lage im Irak berücksichtigt werden müssten.
Der zweiten Variante zufolge führen türkische Sondertruppen mit Helikoptern Präzisionsschläge gegen die Lager der kurdischen Kämpfer in Nordirak. Gefangene Separatisten sollen anschließend in die Türkei gebracht werden.
Eine dritte Variante geht von einer Luftoperation in den Kandil-Bergen aus, wo die türkischen Militärs die Schaltzentralen der kurdischen Arbeiterpartei PKK vermuten. Eine intensive Bombardierung habe nach Einschätzung des Generalstabes eine verheerende psychologische Wirkung, berichtet „Hürriyet“.
Eine kombinierte Luft-Boden-Operation im Nachbarland ist nach Vorstellung des türkischen Generalstabs ein viertes Szenario. Die türkische Zeitung hält sie für die wahrscheinlichste, weil sie bei minimalen Verlusten und in kürzester Zeit Erfolge verspricht und den schnellen Rückzug ermöglicht.
Der türkische Premier Erdogan hat bereits davon gesprochen, dass eine eventuelle Militäroperation die „Säuberung“ der Region von den PKK-Kämpfern zum Ziel hat, die er auf momentan 3500 Mann schätzt.
„Sobald die Zeit gekommen ist, wird das Nötige getan“, sagte Erdogan dem TV-Sender CNN Turk, wobei er den konkreten Zeitpunkt offen ließ. Auf jeden Fall will er im Parlament ein einjähriges Mandat für die Operationen einholen.
Am Dienstag hat die türkische Regierung unter dem Einfluss der zugespitzten Lage im Südosten des Landes einen Einmarsch in Nordirak und die Zerschlagung der kurdischen Separatisten angedroht. Dort waren erst vor kurzem 15 Soldaten bei einem Angriff getötet worden.
Die türkische Presse schreibt bereits von einer groß angelegten Militäroffensive im Grenzgebiet, um zu verhindern, dass sich kurdische Kämpfer ins Nachbarland zurückziehen.
Momentan sollen laut Angaben der Militärs im Grenzgebiet ungefähr 400 PKK-Kämpfer operieren.
Türkische Medien erwähnen, dass die Regierung gewillt sei, den Chef der kurdischen Administration, Massud Barsani mit Sanktionen zu belegen. Noch immer wird er in Ankara der tatkräftigen Hilfe für den bewaffneten Kampf der Separatisten verdächtigt.
Die Regierung in Bagdad und die kurdische Administration im Nordirak lehnen eine türkische Militäroperation entschieden ab. Einen Einmarsch würden sie „als Agressionsakt gegen Irak und seine territoriale Integrität“ betrachten. Premier Erdogan beteuert indes immer wieder, dass Ankara keine territorialen Ansprüche erhebt und die Souveränität des Nachbarlandes respektieren wird.