Ausland
Iran bald im Abseits? Saudi-Arabien lockt Russland mit Milliardendeals - „Kommersant“
Bei den gestrigen Gesprächen in Moskau ging es um die eventuelle Unterzeichnung umfangreicher Waffenverträge und über die Beteiligung russischer Firmen an Projekten in Saudi-Arabien.
Bereits im Februar dieses Jahres besuchte der Außenminister Saudi-Arabiens, Saud al-Faisalm, die russische Hauptstadt und überbrachte ein persönliches Schreiben des Königs Abdullah. In diesem Schreiben brachte der Herrscher Saudi-Arabiens seine Besorgnis über den wachsenden Einfluss des Iran im Nahen Osten zum Ausdruck. Die Führung des Königreichs empfiehl Moskau mit Nachdruck, die Zusammenarbeit mit Teheran einzustellen, und stellte im Gegenzug gewinnbringende Verträge in Aussicht.
Quellen der Zeitung „Kommersant“ in der russischen Rüstungsindustrie berichten, mit der möglichen Unterzeichnung eines bilateralen Vertrages über die militärtechnische Zusammenarbeit solle der Grundstein eines partnerschaftlichen Verhältnisses zwischen Russland und Saudi-Arabien gelegt werden.
Saudi-Arabien interessiert sich ganz konkret für Militärtechnik: So zeigte Riad im Februar seine Bereitschaft, eventuell 100 Exemplare des Schützenpanzers BMP-3 zu kaufen (Gesamtpreis des Vertrages 200 Millionen US-Dollar), sowie 150 Exemplare des Panzers T-90S für 600 Millionen US-Dollar und mehr als 160 Exemplare des MI-Hubschraubers verschiedener Modifikationen (Mi-17, MI-35 und MI-26) für insgesamt mehr als 1,6 Milliarden US-Dollar. Da Iran vor kurzem erfolgreich Mittelstreckenraketen getestet hat, die auch Ziele in Saudi-Arabien erreichen können, zeigt das saudische Militär auch Interesse an verschiedene russische Luftabwehrsysteme.
Sollte es der russischen Rüstungsindustrie wirklich gelingen, Saudi-Arabien mit Kriegstechnik und Ausrüstung zu versorgen, würde es ein großer Erfolg für den gesamten russischen militär-wirtschaftlichen Sektor bedeuten, wenn man bedenkt, dass sich die Militärausgaben Riads im Jahre 2010 voraussichtlich auf ca. 44 Milliarden US-Dollar belaufen werden.
„Dieser Markt würde nie alleine Russland gehören“, so Konstantin Makijenko vom Zentrum für Analyse von Strategien und Technologien. „Die USA, Frankreich und Großbritannien hielten und werden auch weiterhin hier stabile Positionen halten. Würden aber die aktuellen Ölpreise auch weiterhin nach oben klettern, würde der Markt Saudi-Arabiens für Kriegstechnik und Ausrüstung auch zwangsläufig wachsen, so dass selbst fünf Prozent dieses Marktes unseren Waffenschmieden einen soliden Gewinn bescheren würden“.
Eine der Schlüsselfragen eines Gesprächs im russischen Regierungsitz war das Schicksal des Vertrages über den Bau einer Eisenbahnstrecke zwischen den Städten Riad und Az-Zabira. Den Zuschlag hat im Januar dieses Jahres die Russische Eisenbahnen AG (RZD) bekommen, doch im MaAi haben die Behörden die Ausschreibung für ungültig erklärt und eine neue angesetzt. Laut diplomatischen Quellen der Zeitung „Kommersant“ ist die mögliche Ursache dieser Entwicklung ein Vertrag, den RZD mit Libyen kürzlich unterzeichnet hat. Das Verhältnis zwischen Libyen und Saudi-Arabien ist bekanntlich alles andere als ungetrübt. Im übrigen erklärte Riad, dass die Russische Eisenbahnen AG sehr wohl auch an einer neuen Ausschreibung teilnehmen kann. Die russischen Bahner sind nun fest entschlossen, diesen Auftrag wieder zu bekommen und erwarten politische Unterstützung. An der Zusammenarbeit mit Saudi-Arabien sind auch andere Organisationen interessiert, darunter auch der russische Aluminiumhersteller Rusal, die Weltraumbehörde Roskosmos und die russische Atom-Holding Rosatom.
Es ist bemerkenswert, dass Prinz Bandar bin Sultan in Riad als derjenige gilt, der ein besonderes Verhältnis zur US-Administration hat: Er war mehr als 20 Jahre Botschafter in Washington und ist eng mit der Familie Bush befreundet. Einen besonderen Draht hat er zum US-Vizepräsident Dick Cheney, der sich bekanntlich für eine harte Position gegenüber Iran einsetzt, bis hin zu einer bewaffneten Operation. Es ist nicht auszuschließen, dass die aktuellen mehr als großzügig formulierten Vorschläge Saudi-Arabiens an Moskau mit Washington abgesprochen wurden, weil die USA ein vitales Interesse daran haben, mögliche Verbündete Teherans im Voraus zu neutralisieren.

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