Ausland
USA erhalten scharfe Rüge vom neuen Vorsitzenden der UN-Vollversammlung
Obwohl die USA weder in seiner Eröffnungsrede noch in der anschließenden Pressekonferenz genannt wurden, war klar, dass sich De Escoto Brockmans Kritik gegen sie richtete. Er beschränkte sich jedoch vorwiegend auf die Formulierung "eines der ständigen Mitglieder des UN-Sicherheitsrates".
Von Journalisten darauf angesprochen, was er mit den von ihm erwähnten Verletzungen des Völkerrechts und der Dominanz eines einzelnen Staates, was eine ungerechte Weltordnung verursacht, gemeint hatte, erwiderte der ehemalige nicaraguanische Außenminister: "Wissen Sie, wie viele Menschen im Irak ums Leben gekommen sind? Laut einer britischen Organisation und einer US-Fachzeitschrift war der Tod von mehr als 1,2 Millionen Menschen eine direkte Folge dieser Aggression und Okkupation. Ich betone: Sie sind nicht an Infektionskrankheiten, sondern infolge der Aggression gestorben."
Darüber hinaus kritisierte der Vorsitzende der UN-Vollversammlung das US-Handelsembargo gegen Kuba und äußerte seine Empörung darüber, dass die Meinung von 95 Prozent der UN-Mitgliedsstaaten, die gegen die Wirtschaftsblockade Kubas sind, nicht berücksichtigt werde. Dieses Beispiel nannte er, um seinen Vorschlag zu begründen, die Vollmachten innerhalb der UNO zu Gunsten der Vollversammlung umzuverteilen. "Die Vollversammlung muss wirksamer und ihre Resolutionen verbindlich werden", sagte er.
Wie De Escoto Brockman mitteilte, zielt seine geplante UN-Reform darauf ab, dass "auserwählte Staaten" nicht ihren Willen vorschreiben, weil alle Staaten eine gemeinsame Verantwortung für den Aufbau einer neuen Welt für die künftigen Generationen tragen.
Der 75-jährige ehemalige katholische Priester, der von der Sowjetunion in den 80er Jahren mit dem Lenin-Preis ausgezeichnet wurde, ist durch seine antiamerikanische Haltung bekannt.
In einem 20004 veröffentlichten Interview bezeichnete er den früheren US-Präsidenten Ronald Reagan als einen "Henker meines Volkes" (gemeint war Washingtons Unterstützung für das Somoza-Regime in Nicaragua). Den jetzigen US-Präsidenten George W. Bush bezeichnete er als Reagans "geistigen Erben".
De Escoto Brockman wurde als Vertreter Lateinamerikas und der Karibik für ein Jahr zum Präsidenten der UN-Vollversammlung gewählt.

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