Ausland
Iran kann sein erstes AKW auch ohne Russland fertigstellen - Experte
„Seine Feinde sollen wissen, dass Iran imstande ist, das AKW Bushehr selbständig in Betrieb zu setzen, wenn die Russen dies nicht tun“, sagte Hashemi-Rafsanjani am Freitag in Teheran. Beweise dafür seien der Start des iranischen Satelliten und die Urananreicherung.
„Jedenfalls muss Russland seinen Verpflichtungen treu bleiben“, urteilte der iranische Politiker. Mit seinem Atomprogramm verfolge Iran keine militärischen Zwecke und könne dies am Verhandlungstisch beweisen, betonte er. Diese Verhandlungen wären jedoch nur dann erfolgreich, wenn sie nicht von Bedrohungen und Warnungen aus dem Westen erschwert würden.
Der scharfe Ton des iranischen Ex-Präsidenten gegenüber Russland war eine Überraschung für die örtlichen Beobachter. Erst am Mittwoch hatten der Chef der russischen Atomenergie-Holding Rosatom, Sergej Kirijenko, und der Vizeleiter der iranischen Atomenergieorganisation, Gholamreza Agazade, über die Fertigstellung des AKW in Bushehr beraten. Kirijenko kündigte das Ende der Bauarbeiten und eine baldige Inbetriebnahme der Anlage an. Ihm zufolge wollen beide Staaten demnächst einen auf mindestens zehn Jahre angelegten Vertrag für die Lieferung von Kernbrennelementen aus Russland unterzeichnen.
Der Bau des AKW in Bushehr war noch 1975 von deutschen Unternehmen begonnen worden, die sich aber nach der Revolution in Iran, dem Islamisten-Überfall auf die US-Botschaft in Teheran und dem von den USA verhängten High-Tech-Embargo aus dem Mullah-Staat zurückgezogen hatten.
Im Januar 1995 haben das russische Unternehmen Zarubezhatomenergostroy und die iranische Atomenergie-Organisation einen Vertrag im Wert von einer Milliarde US-Dollar über die Fertigstellung des ersten Atomreaktors unterzeichnet. Russland verpflichtete sich, einen Reaktor vom Typ WWER-100 und Kernbrennstäbe zu liefern sowie iranische Fachleute auszubilden. Die Bauarbeiten sollten am 8. Juli 1999 abgeschlossen werden, aber die Inbetriebnahme des AKW wurde mehrmals verschoben.
Im Dezember 2007 lieferte Russland die ersten Kernbrennstäbe nach Iran. Die Lieferung erfolgte nach einem bilateralen Regierungsabkommen und wurde von der Internationalen Atomenergie-Behörde (IAEA) kontrolliert.

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