Ausland
Vertrag über S-300 für Iran - Tauschgeschäft zwischen Russland und Westen?
Diese Meinung äußerte Ruslan Puchow, Direktor des Zentrums für Analyse von Strategien und Technologien, am Mittwoch gegenüber RIA Novosti.
"Der Vertrag über die Lieferung von S-300 wie auch die Zusammenarbeit mit Iran im Ganzen werden von Russland lediglich als Instrument im politischen Tauschgeschäft mit dem Westen und nicht als Methode zur Realisierung grundlegender defensiver und kommerzieller Interessen Russlands angesehen", sagte Puchow.
Er verwies darauf, dass aus iranischen Quellen zuvor verlautet war, dass die Lieferungen begonnen hätten. Aber von offizieller russischer Seite sei häufiger angedeutet worden, dass diese Komplexe noch nicht übergeben seien.
Laut Puchow halten die Hinweise auf die Notwendigkeit, in den Beziehungen mit Iran im Zusammenhang mit der Umsetzung dessen Atomprogramms Zurückhaltung zu üben, keiner Kritik stand.
Ihm zufolge ist es erstens unverständlich, warum die russischen Lieferungen von konventionellen Waffen im Grunde genommen mit dem iranischen Atomprogramm in Zusammenhang gebracht werden, das einen friedlichen und keinen militärischen Charakter hat.
"Zweitens. Selbst wenn Iran die Entwicklung von Kernwaffen anstrebt, so tut es das durchaus nicht zur Vernichtung Israels, sondern für die eigene Sicherheit", fügte er hinzu.
"Die USA haben in den letzten zehn Jahren durch ihr Verhalten der ganzen Welt gezeigt, dass niemand sich sicher fühlen kann, wenn er kein atomares Abschreckungspotential hat", sagte Puchow.
Indessen würden die Waffenlieferungen an Iran vollständig sowohl den kommerziellen als auch den militärpolitischen Interessen Russlands entsprechen, denn die russischen Positionen hätten sich in den letzten zwei Jahren auf den beiden größten Waffenmärkten - dem chinesischen und dem indischen, verschlechtert.
"Unter diesen Bedingungen wäre es zumindest unvernünftig, den iranischen Markt mit seiner potentiellen Nachfrage für 300 bis 500 Millionen US-Dollar im Jahr zu ignorieren", erklärte Puchow.
"Wenn Russland seine zurückhaltende und zwiespältige Politik gegenüber Iran fortsetzt, so wird sich Teheran in letzter Konsequenz auf China umorientieren. Dieses Land wird in der nächsten Zeit durchaus konkurrenzfähige Erzeugnisse praktisch in allen Marktsegmenten offerieren können", sagte Puchow abschließend.

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