
MOSKAU, 17. Juli (RIA Novosti). Der kubanische Revolutionsführer Fidel Castro hat die USA aufgefordert, ihre Truppen aus dem nach einem Staatsreich zerrütteten Honduras abzuziehen.
"Die einzig richtige Lösung in diesem Moment wäre es, von der US-Regierung zu fordern, die Einmischung und die militärische Unterstützung für die Putschisten einzustellen sowie die eigenen Truppen aus Honduras abzuziehen", zitieren kubanische Medien am Freitag Fidel Castros Worte aus einem seiner regelmäßig erscheinenden Kolumnen.
Der Putsch in Honduras hat Castro zufolge zu einer komplizierten Situation in Zentralamerika geführt, die mit List und Lüge nicht zu lösen ist. "Täglich werden neue Einzelheiten der Beteiligung der Vereinigten Staaten an den Ereignissen in Honduras bekannt, die einen ernsten Widerhall in ganz Lateinamerika finden werden", so Castro.
Nach seinen Worten wurde der Staatsstreich von ultrarechten Kreisen, die Vertrauenspersonen der Umgebung des ehemaligen US-Präsidenten George W. Bush waren, geplant und organisiert. Es handelt sich um sogenannte "aggressive US-Botschafter", die Bush im Juli bis August 2008 in Lateinamerika eingesetzt hatte.
Am Sonntag forderte der venezolanische Präsident Hugo Chavez von seinem US- Amtskollegen Barack Obama konkrete Schritte gegenüber den Drahtziehern des Staatsstreichs in Honduras. Obama soll nach seinem Vorschlag deren Bankkonten einfrieren, keine Visa für sie genehmigen und die US-Truppen vom Militärstützpunkt in Honduras zurückziehen. Am Dienstag erklärte der bolivianische Präsident Evo Morales, dass die USA an dem Putsch in Honduras beteiligt waren.
Die US-Regierung hat mehr als einmal den Staatsstreich in Honduras öffentlich verurteilt und die Putschisten aufgerufen, die Macht an den gestürzten Staatschef Manuel Zelaya zurückzugeben. Aus politischen Gründen haben die USA bereits auf Hilfe für Honduras verzichtet: die Zusammenarbeit im Militärbereich und einige wichtige Programme zur Entwicklung des Landes sind eingefroren worden.
Der honduranische Übergangspräsident Roberto Micheletti wies den von mehreren lateinamerikanischen Regierungen gegen ihn erhobenen Putsch-Vorwurf zurück.
Die erste Verhandlungsrunde über den Konflikt in Honduras unter Vermittlung des Präsidenten von Costa Rica, Oscar Arias, am 9. und 10. Juni war erfolglos verlaufen. Die zweite Runde ist für den morgigen Samstag vorgesehen.
"Das Treffen in Costa Rica wird keinen Frieden herbeiführen und kann es auch nicht. Das Volk von Honduras führt keinen Krieg, doch die Putschisten gehen mit Waffengewalt gegen das Volk vor. Es gilt, von ihnen zu fordern, den Krieg gegen das eigene Volk einzustellen", so Castro. Das Treffen Zelayas mit der Putschistenspitze würde seiner Meinung nach zu einer Demoralisierung des legitimen Präsidenten beitragen.
Nach lateinamerikanischen Medien nehmen gegenwärtig Tausende Anhänger des gestürzten Präsidenten Zelaya an den Protesten teil. Sie haben bereits die wichtigsten Autostraßen des Landes abgesperrt und die Rückkehr Zelayas gefordert. In der Nacht zum Donnerstag verhängten die Putschisten erneut eine Ausgangsperre ein, die am Sonntag aufgehoben wurde.
In der Nacht zum 28. Juni hatten Militärs nach einem Putsch die Macht in Honduras erobert, den bisherigen Präsidenten Manuel Zelaya festgenommen und gewaltsam nach Costa Rica gebracht. In einer Dringlichkeitssitzung des honduranischen Parlaments wurde der bisherige Parlamentschef Roberto Micheletti zum interimistischen Staatschef ernannt.