
ANKARA, 14. Oktober (RIA Novosti). Die Türkei und Syrien werden eine Militärübung an ihrer gemeinsamen Grenze abhalten. Das wurde am Dienstag vom bilateralen Rat für strategische Zusammenarbeit in der syrischen Stadt Aleppo beschlossen.
Daran nahmen rund 20 Minister, darunter die Außen-, die Innen-, die Verteidigungs-, die Wirtschafts-, die Öl-, die Stromenergie-, die Agrar- und die Gesundheitsminister beider Länder teil.
Türkische Beobachter sehen darin eine Herausforderung an Israel, mit dem die gemeinsame Luftwaffenübung verschoben wurde. Das türkische Außenministerium hatte am Montag eine Verschiebung des für Mitte Oktober geplanten Manövers "Anatoliens Adler" verkündet. Zugleich wurde Israel aufgefordert, dieses Thema nicht zu politisieren.
Israelische Medien berichteten unter Berufung auf Militärquellen, das Motiv der Türkei für diesen Schritt habe darin bestanden, dass sie ihren Luftraum für die israelischen Fliegerkräfte wegen der Luftangriffe auf den Gazastreifen Ende vergangenen und Anfang dieses Jahres nicht bereitstellen möchte.
In einer gemeinsamen Sitzung der Regierungen der Türkei und Syriens wurde außerdem eine Intensivierung der Zusammenarbeit im militärtechnischen Bereich beschlossen. Bis Ende Oktober sollen bilaterale Arbeitsgruppen ihre Arbeit aufnehmen und drei Ausschüsse für das Zusammenwirken im Antiterrorkampf, in der Militärausbildung und bei Manövern sowie in der Rüstungsindustrie gründen.
Darüber hinaus unterzeichneten die Türkei und Syrien ein Abkommen über den visafreien Verkehr und vereinbarten die Unterzeichnung von rund 30 Abkommen über die Zusammenarbeit in verschiedenen Branchen, unter anderem in der Energiewirtschaft.
Wie der türkische Außenminister Ahmet Davutoglu mitteilte, "erleben die Türkei und Syrien einen Wendepunkt in ihrer gemeinsamen Geschichte": Der türkische Premier Tacip Erdogan soll Anfang Dezember nach Damaskus reisen, hieß es.
Die frühere Krise in den türkisch-syrischen Beziehungen wurde durch den Aufenthalt des Kurdenführers Abdullah Öcalan in Syrien ausgelöst. 1998 drohte Ankara sogar mit einem Einmarsch in Syrien, wenn Damaskus die Auslieferung von Öcalan verweigert.
Wenig später verließ er das Hoheitsgebiet Syriens und wurde 1999 von türkischen Agenten in Kenia gefasst. Im selben Jahr wurde er zum Tode verurteilt. Das Urteil wurde später in lebenslangen Freiheitsentzug umgewandelt.