
LONDON, 30. Oktober (RIA Novosti). Der am Sonntag beginnende erste Russland-Besuch des britischen Außenministers David Miliband läßt hoffen, dass beide Seiten den aufrichtigen Wunsch hegen, die bilateralen Beziehungen aus der Sackgasse zu führen.
Das stellte Sir Tony Brenton, der ehemalige Botschafter Großbritanniens in Moskau, in einem RIA-Novosti-Gespräch fest.
Wie der Diplomat weiter ausführte, ist der erste Russland-Besuch eines britischen Außenministers seit fünf Jahren a priori nicht für globale Fortschritte in den bis dahin eingefrorenen Beziehungen geeignet. Beide Länder seien sich dennoch dessen bewusst, dass es unter den gegenwärtigen Bedingungen einfach unmöglich ist, einander zu ignorieren.
Auf Brentons Amtszeit in Moskau (er verließ seinen Posten im Herbst 2008) fiel der Höhepunkt der Zuspitzung der Beziehungen zwischen beiden Ländern.
Während des zweitägigen Besuchs werden Miliband und sein russischer Amtskollege Lawrow eine ganze Reihe von internationalen Fragen behandeln - von Iran und Afghanistan bis hin zum Kampf gegen den globalen Klimawandel. Auf der offiziellen Tagesordnung stehen aber weder Visaerleichterungen noch das Problem der gegenseitigen Auslieferung von mutmaßlichen Tätern.
"Ich werde sehr erstaunt sein, wenn Miliband während seines Besuchs seinen russischen Amtskollegen Sergej Lawrow nicht daran erinnern wird, dass Großbritannien immer noch auf die Auslieferung von Andrej Lugowoi besteht, während Lawrow darauf hinweisen wird, dass Moskau eine Auslieferung von Boris Beresowski fordert", so Brenton.
"Ich vermute allerdings, dass sich beide Seiten dessen bewusst sind, dass Fortschritte in diesen Bereichen minimal sind." Keine der Seiten würde ihre starren Positionen in dieser Frage aufgeben, nimmt der Diplomat an.
Großbritannien hatte 2007 den russischen Staatsbürger Lugowoi beschuldigt, den ehemaligen FSB-Mitarbeiter Alexander Litwinenko, der in Großbritannien politisches Asyl bekommen hatte, in London mit Polonium vergiftet zu haben. Beresowski wurde indes in Russland in Abwesenheit wegen mehrerer Wirtschaftsverbrechen zu beträchtlichen Gefängnisstrafen verurteilt.
"Wie können denn solche Fragen innerhalb eines Treffens gelöst werden? Allein schon der Besuch Milibands aber ist signifikant und zeugt davon, dass beide Seiten nach der Eiszeit der letzten Jahre bereit sind, die Kraft zu finden, um diese Sackgasse zu überwinden und sich zumindest um eine Kooperation in den Bereichen zu bemühen, in denen das möglich ist", betonte Brenton.
Laut dem Botschafter geben die jüngste Entwicklung und die Treffen zwischen dem britischen Premier Gordon Brown und Russlands Präsidenten Dmitri Medwedew im Rahmen der G20 Hoffnung darauf, dass sich beide Seiten um eine gegenseitige Annäherung ihrer Positionen bemühen werden.
So stimmten die Positionen beider Länder zum Iran-Problem überein, ein gewisses gemeinsames Interesse bestehe auch beim Kampf gegen die radikale Taliban-Bewegung in Afghanistan. Außerdem siehe Großbritannien in Russland einen Verbündeten im Kampf gegen den Klimawandel, sagte der Diplomat.
"Während die politischen Beziehungen angespannt waren, sind die Wirtschaftsbeziehungen mit den Jahren immer stabiler geworden", fügte er hinzu. "Großbritannien gehört zu den größten Investoren in Russland, und der Handelsumfang ist trotz der Rezession recht groß."
"Wir müssen begreifen, dass Russland und Großbritannien Teile der Weltwirtschaft und der Weltpolitik sind, und zwischen derart großen Spielern muss Einvernehmen herrschen", betonte Brenton abschließend.