Ausland
Gorbatschow hat Chancen für Verhinderung der Nato-Erweiterung verpasst - Meinung
MOSKAU, 05. November (RIA Novosti). Beim Abzug der Sowjettruppen aus Deutschland hat Russlands Führung gute Chancen für die Verhinderung einer Osterweiterung der Nato verspielt.
Diese Meinung äußerte Generaloberst Leonid Iwaschow, ehemaliger Chef der Hauptverwaltung internationale militärische Zusammenarbeit des Generalstabs.
"Beim Abzug der Sowjettruppen aus Deutschland haben die sowjetische Staatsführung und später die Führung Russlands ernsthafte politische Fehler begangen", stellte er fest.
"Gorbatschow und Schewardnadse unternahmen alles, um dem Westen zu gefallen", so der Experte. "Ich habe gesehen, wie gute Positionen aufgegeben wurden. Man hätte nach Kompromissen suchen müssen, die für alle Teilnehmer des Prozesses annehmbar wären. Man hätte den Status Deutschlands, Probleme einer Nichterweiterung der Nato und eines Abzugs der Allianz aus Deutschland behandeln sollen. Die Nato war zu einer solchen Diskussion bereit."
Gorbatschow behaupte, so Iwaschow, dass ihm "all diese Zugeständnisse verbal zugesichert wurden. Was für ein talentloser Leiter muss man aber sein, um das Wesen des geopolitischen Kampfes nicht zu begreifen und die Notwendigkeit nicht einsehen, all diese mündlichen Vereinbarungen mit verbindlichen Dokumenten zu verankern!"
"Als Geschäftsführer des Verteidigungsministeriums (1987 bis 1992) habe ich mit Finanzexperten errechnet, was uns der Truppenabzug kosten würde, und kamen dabei auf eine Summe von mehr als 100 Milliarden Dollar", führte Iwaschow weiter aus. "Gorbatschow selbst hat aber diese Summe auf ein Zehntel herabgesetzt."
UdSSR-Präsident Michail Gorbatschow und Bundeskanzler Helmut Kohl unterzeichneten am 12. September 1990 einen Vertrag über die weitere Präsenz und den Abzug der Sowjettruppen bis 1994.
Nach dem UdSSR-Zerfall verpflichtete sich Russlands Staatsführung, den Truppenabzug am 31. August 1994 abzuschließen. Anlässlich dieses historischen Ereignisses fand vor dem Denkmal für den Sowjetsoldaten im Berliner Treptow-Park eine Abschiedsparade statt, der Kohl und Russlands Präsident Boris Jelzin beiwohnten.
Die deutsche Seite verpflichtete sich, 12 Milliarden Mark für den Truppenabzug bereitzustellen. Mehr als acht Milliarden Mark davon waren für den Bau von Wohnhäusern für Offiziersfamilien vorgesehen. Für die Offiziere der Truppen wurden auf dem Territorium Russlands, Weißrusslands und der Ukraine insgesamt 45 000 Wohnungen gebaut.
Die Immobilien der Sowjettruppen in Deutschland in einem Gesamtwert von 10,5 Milliarden Mark wurden Deutschland überlassen.
Auf Beschluss des Verteidigungsministers Russlands vom 5. September 1994 wurde die Westgruppe der russischen Streitkräfte aufgelöst.

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