
MOSKAU, 24. November (RIA Novosti). Im Streit um die Lieferung von S-300-Flugabwehrraketen hat der iranische Brigadegeneral Mohammed Hassan Mansurian Russland mit rechtlichen Konsequenzen gedroht.
Wenn Moskau die vereinbarte Raketenlieferung platzen lasse, könnte die Islamische Republik es international verklagen, sagte Mansurian am Dienstag nach Angaben der Agentur Reuters. Nach seinen Worten zögert Russland mit der Lieferung, weil es von den USA und der „zionistischen Lobby“ unter Druck gesetzt wird.
Vorige Woche hatte der russische Außenamtssprecher Andrej Nesterenko, keine eindeutige Antwort auf die Frage gegeben, ob und wann Moskau die S-300-Raketensysteme an Iran liefere. „Die russische Seite hält ihre Verpflichtungen im Bereich der militärtechnischen Kooperation verantwortungsvoll ein und wird auch weiterhin daran festhalten“, sagte er. Russland erfülle bei seiner Kooperation mit Iran auch alle internationalen Vorschriften. Es gehe „lediglich um die Lieferung von Verteidigungswaffen, die keine Destabilisierung in der Region verursachen können“, hieß es.
Der Vertrag über die Lieferung der S-300-Raketen an den Iran war noch im Dezember 2005 geschlossen worden. Drei Jahre später teilte die amtliche iranische Nachrichtenagentur IRNA mit, dass Moskau mit der Auslieferung der Waffen begonnen habe. Russlands föderale Behörde für militärtechnische Kooperation wies diese Information zwar als falsch zurück, dennoch äußerten sich westliche Staaten und Israel besorgt über russische Waffengeschäfte mit der Islamischen Republik. Davor hatte Russland bereits Flugabwehr-Raketen Tor-M1 (Reichweite zwölf Kilometer) an den Mullah-Staat verkauft.
Im Oktober berichtete die Zeitung „Wedomosti“, Russland habe den S-300-Vertrag auf Eis gelegt.
S-300-Raketen sind für die Verteidigung großer Industrie- und sonstiger Zivil- und Militäranlagen bestimmt und können unter anderem auch ballistische Langstreckenraketen abfangen. Die neusten Modifikationen sind in der Lage, Ziele in einer Entfernung von 150 km und in bis zu 27 km Höhe zu bekämpfen. Theoretisch können die S-300, die gegenwärtig den Kern der Luftabwehr Russlands bilden, auch gegen Bodenziele eingesetzt werden. Raketensysteme dieses Typs hatten bislang die Ukraine, Weißrussland, Kasachstan, die Slowakei, Bulgarien, Griechenland und China gekauft.
Fotoreihe: Russlands mobile Flugabwehr-Raketensysteme