Ausland
Serbien im Diskussionswirbel: Nato will Belgrads Beitritt nicht beeinflussen
SARAJEVO, 05. Februar (RIA Novosti). Die Nato verfolgt die in Serbien laufende Diskussion über eine weitere Annäherung an die Allianz, will jedoch die Entscheidung Belgrads über einen Beitritt zu dieser militärpolitischen Organisation nicht beeinflussen.
Das erfuhr RIA Novosti am Freitag inoffiziell aus dem Nato-Hauptqaurtier in Brüssel.
„Wir unterhalten gute Beziehungen zu Serbien, aber wir lobbyieren nicht“, sagte der Gesprächspartner der Agentur. Ihm zufolge „werden die Behörden Serbiens selbst entscheiden, ob sie der Nato beitreten oder nicht“.
In Serbien hat sich Anfang dieses Jahres die Diskussion über die Beziehungen zur Nato intensiviert. Rund 100 Intellektuelle haben die Behörden aufgefordert, ein Referendum zur Frage der Integration in die Allianz durchzuführen.
Nach Äußerung der serbischen Behörden steht die Frage eines Nato-Beitritts noch nicht auf der Tagesordnung. Die Mehrheit der politischen Parteien des Landes lehnen eine Integration in die Allianz ab oder enthalten sich öffentlicher Aussagen dazu. Die einzige Parlamentspartei, die bis jetzt die Idee des Nato-Beitritts offen befürwortet hat, ist die Liberal-demokratische Partei mit Cedomir Jovanovic an der Spitze.
Die wichtigste politische Priorität der serbischen Regierung ist der Beitritt zur Europäischen Union. Belgrad hat im Dezember 2009 seine Mitgliedschaft in der EU offiziell beantragt. Die serbischen Behörden rechen damit, noch im Jahr 2010 den offiziellen Kandidatenstatus zu erhalten und sich dadurch auf den EU-Beitritt im Jahr 2014 vorzubereiten. Etliche Experten sind jedoch der Auffassung, dass Serbien bei einem EU-Beitritt zwangsläufig auf seinen Neutralitätsstatus verzichten müsse. Hierbei wird darauf verwiesen, dass faktisch alle EU-Länder der Nato angehören.
Laut Umfragen lehnen die meisten serbischen Bürger eine Integration in die Nato (im Unterschied zum EU-Beitritt) ab. Dies erklärt sich mit der komplizierten Geschichte der Beziehungen zwischen Serbien und der Nordatlantischen Allianz.
Die Nato-Länder hatten sich 1999 in den Konflikt zwischen Belgrad und den separatistisch gesinnten Kosovo-Albanern eingemischt und eine 78-tägige Militäroperation gegen Serbien durchgeführt. Nach serbischen Angaben wurden bei den Nato-Luftangriffen mehr als 2500 Zivilisten, einschließlich 89 Kinder, getötet und 12 500 verletzt.
Von den Balkanländern sind Kroatien und Albanien als letzte der Nato beigetreten. Mazedonien gilt zwar als beitrittsreif, hat aber wegen des Streites mit Griechenland über den offiziellen Staatsnamen noch nicht Mitglied der Allianz werden können.
Russland tritt gegen die Nato-Erweiterung auf - mit der Begründung, dass dies der europäischen Sicherheit keineswegs zuträglich sei.

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