
MOSKAU, 10. Februar (RIA Novosti). Am gestrigen Dienstag hat Iran mit dem Hochfahren der Uranaufbereitung auf 20 Prozent begonnen. Darüber schreiben russische Zeitungen am Mittwoch.
Experten zufolge könne das Verfahren Jahre in Anspruch nehmen. Nicht ausgeschlossen ist, dass es Teheran gar nicht um die Nutzung der Kernenergie geht, um Medikamente herzustellen. Teherans Ziel könnte auch die Spaltung der vermittelnden Sechser-Gruppe sein.
Viktor Michailow, Direktor des Instituts für strategische Stabilität von Rosatom (russische Atomenergieholding), sieht keine technischen Hindernisse für die Iraner bei der Anreicherung des Urans auf 20 Prozent, aber "von einer Bombe kann keine Rede sein: Für eine vollwertige Atomspaltungsladung sind 90 oder zumindest 70 Prozent des Isotops U-235 notwendig."
"Iran versucht abermals, alle an der Nase herumzuführen, damit eine internationale Diskussion beginnt und alle sich miteinander verzanken", behauptet Alexej Malaschenko, Experte des Moskauer Carnegie-Zentrums.
"Die Iraner sind davon überzeugt, dass die Zeit für sie arbeitet", das unterliege keinem Zweifel, meint Georgi Mirski, führender wissenschaftlicher Mitarbeiter des Instituts für Weltwirtschaft und internationale Beziehungen der Russischen Akademie der Wissenschaften. "Sie verstehen, dass es jetzt zu keinen Kampfhandlungen kommen wird, weil Amerika ohnehin in Irak und Afghanistan stecken geblieben ist. Was Israel angeht, so halten die Iraner seine einseitigen Kampfhandlungen für unmöglich."
"Wenn Iran jetzt mit der Urananreicherung auf 20 Prozent beginnt", setzt Dr. Mirski fort, "wird die weltweite Öffentlichkeit glauben, Teheran arbeite an der Entwicklung einer Atombombe. Doch muss klar sein, dass Iran diese Bombe nicht braucht. Auf wen sollte sie abgeworfen werden?
Das führt zum Schluss, dass Teherans jetzige Versuche, die Urananreicherung zu beschleunigen, hauptsächlich politischen Charakter haben und die Aufgabe stellen, Uran soweit anzureichern, um schnell eine Bombe bauen zu können. Anschließend könnte man erklären, Iran sei eine Atommacht geworden. Erst dann würde man von der Position der Stärke aus mit dem Westen sprechen. Im Moment darf nicht gesagt werden, dass alle diplomatischen Möglichkeiten in Bezug auf Teheran erschöpft seien."
Möglicherweise trägt diese Taktik schon ihre Früchte. Gestern wurde bekannt, dass Taiwan unerwartet auf den geplanten Kauf amerikanischer U-Boote verzichtet hat. Vielleicht ist Washington auf diese Weise Peking in der Taiwan-Frage entgegengekommen, um sich im Fall Iran dessen Unterstützung zu sichern. Nicht von ungefähr antwortete Ma Zhaoxu, Sprecher des chinesischen Außenministeriums, nicht auf die direkte Frage, ob sein Land die Resolution gegen Iran unterstützen werde.
Denn wenn eine Vereinbarung mit den USA zustande käme, könnte sich China zum Beispiel bei der Abstimmung im Sicherheitsrat der Stimme enthalten. Eine der Bedingungen der Abmachung könnte auch eine weniger scharfe Version des Wortlauts der UN-Resolution sein, was chinesischen Unternehmen ein Engagement in Iran ermöglichen würde.
Quellen: "Rossijskaja Gaseta", "Kommersant" vom 10.02.10.