Ausland
Streit zwischen Türkei und USA um Armenien-Resolution: Springt Russland als Energiepartner ein? - "Kommersant"
MOSKAU, 09. März (RIA Novosti). Die Türkei hat ihren Botschafter aus Washington abberufen und liebäugelt mit Russland, das als Energiepartner einspringen könnte, schreibt die russische Zeitung "Kommersant" am Dienstag.
Der unmittelbare Anlass war, dass der US-Kongress für Auswärtiges vergangene Woche eine Resolution über die Anerkennung des Armenier-Genozids durch die Türkei Anfang des 20. Jahrhunderts annahm.
1974 und 1985 prüfte der US-Kongress bereits diese Resolutionen, sie wurden jedoch nicht angenommen. 2007 billigte der Auswärtige Ausschuss des Repräsentantenhauses einen entsprechenden Entwurf. Wie damals protestierte Ankara und rief seinen Botschafter ab. Es gelang dem US-Präsidenten George W. Bush, wenn auch nicht ohne Mühe, die Kongressmitglieder von der Abstimmung abzubringen.
Heute ist alles komplizierter, weil Barack Obama während seines Wahlkampfes versprach, den Völkermord an den Armeniern anzuerkennen. Somit erwarten viele entschlossene Handlungen von ihm.
Die armenische Lobby in den USA ist traditionell stark. Vergleichbar ist nur die jüdische Lobby, die jedoch kaum noch die Türkei unterstützt, nachdem deren Beziehungen zu Israel erkaltet sind. Zudem ist Washington darüber beunruhigt, dass die türkischen Behörden ihrer Ansicht nach eine viel zu selbstständige Politik verfolgen und sogar eine Festigung der Beziehungen zu Iran versuchen.
Als die USA der Türkei in diesem Februar vorschlugen, auf ihrem Territorium einen Radar des Raketenabwehrsystems zu installieren, wurde das in Ankara diplomatisch abgelehnt. Die Türken erklärten, dass zuerst die Unterstützung seitens weiterer Nato-Länder geholt werden müsse. Auch beeilen sich die Türken nicht mit der Ratifizierung des Protokolls über die Normalisierung der Beziehungen zu Armenien, obwohl die USA sie seit langem dazu auffordern.
Mittlerweile wurde in Ankara schon darauf angespielt, dass sich ohne Weiteres ein anderer Energiepartner finden ließe, zum Beispiel Russland. Quellen in der türkischen Regierung zufolge ist die Türkei "bereit, einer neuen Kooperation mit Russland in dieser Frage Tür und Tor zu öffnen", falls sich die USA in der Genozid-Frage stur bleiben.
Es ist jedoch wenig wahrscheinlich, dass der Kongress die Resolution über den Armenier-Genozid annimmt: Das würde viele Risiken bedeuten. Die Türkei unterstützt den US-Militäreinsatz in Afghanistan und Irak. Washington ist nicht nur an der Fortsetzung, sondern auch an der Festigung dieser Zusammenarbeit interessiert.
Nicht minder wichtig ist der US-Stützpunkt im türkischen Incirlik, ohne den die US-Luftwaffe es bei vielen Einsätzen schwerer hätte. Zudem nimmt die Türkei eine wichtige strategische Lage auf der Transitroute für Öl und Gas aus dem Nahen Osten und der Kaspi-Region nach dem Westen ein.

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