Ausland
Fidel wird 84: Der agile Greis "analysiert und gibt Ratschläge"
HAVANNA, 13. August (RIA Novosti).
HAVANNA, 13. August (RIA Novosti). Fidel Castro feiert am Freitag seinen 84. Geburtstag. In den letzten Wochen zeigt er sich immer häufiger in der Öffentlichkeit und nimmt dabei Stellung zu aktuellen Fragen der Weltpolitik.
Nach einem schweren chirurgischen Eingriff 2006 hatte Castro seine Machtbefugnisse in Kuba dem jüngeren Bruder Raul überlassen. Regelmäßig ließ er in den zurückliegenden Jahren seine Artikel in der kubanischen Presse veröffentlichen, hin und wieder traf er sich mit Politikern und namhaften Persönlichkeiten, die Havanna besuchten.
Die aktivere Phase von Fidels Comeback begann in diesem Sommer: Im Juli besuchte er das Nationale Forschungszentrum CNIC und nahm an einer Talk Show des kubanischen Fernsehens teil, in der er unter anderem erklärte, ein Überfall der USA auf den Iran „würde zwangsläufig einen Kernwaffenkrieg nach sich ziehen“.
Danach besuchte Castro das Zentrum für Weltwirtschaftsstudien, das Nationale Ozeanarium und das Außenministerium, er traf sich mit jungen kubanischen Kommunisten, dem Außenminister Chinas und venezolanischen Journalisten. Dabei äußerte er sich zu allen aktuellen Fragen – vom Konflikt um den Iran bis zu Hitzerekorden in Russland.
Den Höhepunkt bildete seine Rede auf einer außerordentlichen Tagung des kubanischen Parlaments, die auf seine Bitte einberufen wurde. Das Hauptthema der Rede und der anschließenden Diskussion war das Iran-Problem: Von der Parlamentstribüne rief Fidel USA-Präsident Barack Obama auf, alles zu tun, um einen Kernwaffenkonflikt zu verhindern.
Die Beobachter im In- und Ausland verwiesen darauf, dass Castro in seinen inzwischen zahlreichen öffentlichen Äußerungen Fragen der Innenpolitik weitgehend vermieden hat. Dabei fiel Castros Comeback mit mehreren markanten Ereignissen im Leben des Landes zusammen.
Kubas Staats- und Regierungschefs Raul Castro beschloss nach einem Treffen mit den höchsten Würdenträgern der katholischen Kirche Kubas und dem spanischen Außenminister Miguel Angel Moratinos, 52 Gefangene freizulassen, die im Westen als politische Gefangene gelten. Die ersten 20 von ihnen haben bereits Kuba verlassen, die restlichen sollen in den nächsten Monaten bzw. Wochen freigelassen werden.
Außerdem kündigte Raul Castro Anfang August wirtschaftliche Lockerungen an, die der Förderung der privaten Initiative dienen sollen. Darüber hinaus wurde ein Stellenabbau in den Staatsbetrieben in Aussicht genommen, in denen der Arbeitsstellenüberschuss auf mehr als eine Million geschätzt wird.
Die jetzige Wirtschaftssituation in Kuba wird von einigen Experten als die komplizierteste seit mehreren Jahren bewertet. Die Agrarproduktion ging im 1. Halbjahr um 7,5 Prozent zurück, der Import von Waren und Dienstleistungen verringerte sich 2009 um 36 Prozent, während das BIP lediglich um 1,4 statt der erwarteten sechs Prozent gewachsen ist.
Die ausgebliebenen Äußerungen Fidels zur innenpolitischen Problematik ließen Gerüchte von Meinungsdifferenzen zwischen beiden Brüdern entstehen. Diese Mutmaßungen wurden allerdings von Raul Castro Anfang August widerlegt. Auch Fidel verwies bei seinem Treffen mit venezolanischen Journalisten darauf, dass seine Aufgabe darin besteht, „zu analysieren und Ratschläge zu machen“. „Den Genossen (im kubanischen Parlament) brauche ich nicht mit dem Finger zu zeigen, was sie zu tun haben“, sagte er.

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Fidel Castro nimmt erstmals seit 2006 an TV-Sendung teil

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